Stromspeicher (BESS)

Die PV-Experten vor Ort bei einer Photovoltaikanlage für den IAB – DvE_Asset
Wissensdatenbank · Komponenten einer Photovoltaikanlage

Ein Stromspeicher erweitert eine Photovoltaikanlage um eine wirtschaftlich wertvolle Dimension: die zeitliche Flexibilität. Er speichert Strom in Stunden hoher Erzeugung und gibt ihn dann ab, wenn er am Markt am wertvollsten ist.

Funktionsweise

Eine klassische Photovoltaikanlage produziert Strom genau dann, wenn die Sonne scheint – und vermarktet ihn genau dann. Ein Speicher löst diese Gleichzeitigkeit auf. Er nimmt Strom auf, wenn die Anlage gerade viel davon liefert, und gibt ihn später wieder ab. Damit lässt sich der Strom nicht nur erzeugen, sondern auch gezielt einsetzen – etwa zur Eigenversorgung in den Abendstunden, zur Vermeidung von Lastspitzen oder zur Einspeisung bei hohen Börsenpreisen.

Technisch besteht ein Photovoltaik-Speicher (in der Branche meist BESS – Battery Energy Storage System) aus mehreren zusammenarbeitenden Komponenten:

Batteriezellen sind das eigentliche Speichermedium. Im gewerblichen Bereich kommen heute nahezu ausschließlich Lithium-Ionen-Zellen zum Einsatz. Lithium-Eisenphosphat (LFP) zeichnet sich durch hohe Sicherheit und lange Lebensdauer aus, Nickel-Mangan-Cobalt (NMC) durch höhere Energiedichte. Für stationäre Großspeicher hat sich LFP weitgehend durchgesetzt.

Batteriemanagementsystem (BMS) überwacht jede einzelne Zelle in Spannung, Temperatur und Ladezustand und schützt das System vor Tiefentladung, Überladung und thermischer Belastung.

Batterie- oder Hybridwechselrichter übernimmt die Lade- und Entladesteuerung und wandelt zwischen Gleichstrom (Batterie) und Wechselstrom (Netz) um.

Energiemanagementsystem (EMS) steuert den Speicher nach den hinterlegten Vermarktungsstrategien – etwa Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung oder Handel an den Strombörsen.

Zwei Werte sind bei der Auslegung zentral: Die Speicherkapazität in Kilowattstunden (kWh) gibt an, wie viel Energie der Speicher fasst. Die Leistung in Kilowatt (kW) sagt, wie schnell er sie aufnehmen oder abgeben kann.

Grünstrom- und Graustromspeicher

Eine wirtschaftliche Grundsatzentscheidung betrifft die Frage, welcher Strom in den Speicher fließen darf:

Grünstromspeicher wird ausschließlich mit Strom aus der angeschlossenen PV-Anlage geladen. Der gespeicherte Strom behält damit seine Eigenschaft als Erneuerbare-Energien-Strom – mit allen Konsequenzen für EEG-Vergütung und PPA-Verträge. Das Solarpaket I (2024) hat diese Konstellation rechtssicher geregelt, einschließlich der Doppelvermarktung.

Graustromspeicher kann zusätzlich Strom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen – etwa, um bei niedrigen Börsenpreisen einzukaufen und bei hohen wieder zu verkaufen. Damit ändert sich der regulatorische Status: Der gespeicherte Strom verliert seine Grünstrom-Eigenschaft, EEG und steuerliche Privilegierungen entfallen für diesen Anteil.

AC- und DC-gekoppelte Systeme

AC-gekoppelte Systeme binden den Speicher hinter dem PV-Wechselrichter ein. Solarstrom wird zuerst in Wechselstrom umgewandelt, für die Speicherung wieder in Gleichstrom, beim Entladen erneut in Wechselstrom – drei Umwandlungsschritte mit jeweils eigenen Verlusten.

DC-gekoppelte Systeme binden den Speicher direkt zwischen Modulen und Wechselrichter ein. Solarstrom fließt als Gleichstrom unmittelbar in den Speicher; nur der eingespeiste oder verbrauchte Strom wird durch den Hybridwechselrichter einmal umgewandelt. Weniger Umwandlungen, weniger Verluste.

Praxis-Einordnung

Der Wirkungsgradunterschied zwischen AC- und DC-Kopplung liegt typischerweise bei 3 bis 7 Prozentpunkten. Bei großen Speicherkapazitäten und vielen Lade-/Entladevorgängen summiert sich das über die Anlagenlaufzeit zu einer wirtschaftlich relevanten Größe.

Die vier Kennzahlen, die wirtschaftlich zählen

Zyklenfestigkeit beschreibt, wie viele vollständige Lade- und Entladezyklen die Batterie über ihre Lebensdauer leisten kann. Hochwertige LFP-Speicher erreichen heute 6.000 bis 10.000 Vollzyklen bei einer Restkapazität von 70 bis 80 Prozent.

Kalendarische Lebensdauer liegt unabhängig von der Nutzung typischerweise bei 15 bis 20 Jahren.

Round-Trip-Wirkungsgrad beschreibt, wie viel der eingespeicherten Energie nach Lade- und Entladevorgang wieder verfügbar ist. Marktrelevante Systeme erreichen 88 bis 95 Prozent.

Garantie liegt bei seriösen Herstellern bei 10 Jahren auf 70 bis 80 Prozent Restkapazität, oft kombiniert mit einer Energiemengen-Begrenzung („10 Jahre oder 6.000 Vollzyklen“).

Hinzu kommen Sicherheitszertifizierungen (VDE-AR-E 2510-50, IEC 62619, UL 9540A). Ohne diese Zertifizierungen ist ein gewerblicher Speicher in Deutschland weder versicher- noch genehmigungsfähig.

Bedeutung für Investoren

Auf einen Blick

  • Speicher entkoppelt Erzeugung und Vermarktung
  • Eröffnet zusätzliche Erlösmodelle jenseits der reinen Einspeisung
  • DC-Kopplung reduziert Umwandlungsverluste deutlich
  • Grünstromspeicher arbeiten im EEG-Rahmen, Graustromspeicher im freien Markt

Ein Speicher verändert die wirtschaftliche Logik einer Photovoltaikanlage grundlegend. Statt Strom genau dann zu vermarkten, wenn er erzeugt wird, kann er gezielt dann eingespeist werden, wenn er am Markt am wertvollsten ist – in den Morgen- und Abendstunden, in den Wintermonaten oder zur Glättung von Lastspitzen.

Vermarktungsmodelle mit Speicher

Eigenverbrauchsoptimierung – Der Speicher puffert tagsüber Solarstrom-Spitzen und gibt sie am Abend oder nachts zur Eigenversorgung ab. Wirtschaftlich relevant, wo der Eigenverbrauchspreis deutlich über der Einspeisevergütung liegt.

Lastspitzenkappung (Peak Shaving) – Der Speicher kappt kurzfristige Lastspitzen und reduziert damit die Leistungspreis-Komponente der Stromrechnung. Besonders relevant für Industrie- und Gewerbestandorte mit hohen Anschlussleistungen.

Vermarktung an den Strombörsen – Der Speicher wird nach den Spotmarktpreisen am EPEX-Spotmarkt gefahren oder als Regelleistung dem Übertragungsnetzbetreiber angeboten.

Kernaussage

Der Speicher ist nicht einfach ei

ne Erweiterung der PV-Anlage – er ist ein eigenes wirtschaftliches Instrument. Welche Möglichkeiten er eröffnet, hängt von zwei Grundsatzentscheidungen ab: Grünstrom oder Graustrom, AC- oder DC-Kopplung. Beide gehören vor die Investitionsentscheidung.

Etablierte Hersteller im gewerblichen Bereich

Hersteller Herkunft Schwerpunkt
BYD China Großspeicher, Module
Tesla USA Megapack (Utility-Speicher)
Sungrow China Großspeicher, Hybridwechselrichter
CATL China Batteriezellen, Container-Speicher
Huawei China Großspeicher, Hybridwechselrichter
Fluence USA Utility-Speicher (Siemens / AES)
Intilion Deutschland Gewerbespeicher (HOPPECKE)
TESVOLT Deutschland Gewerbespeicher

Die Auflistung stellt keine Empfehlung dar. Die Auswahl im konkreten Projekt erfolgt anhand technischer Auslegung, Sicherheitszertifizierung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

Einordnung im Kontext

Der Speicher macht aus einer Photovoltaikanlage ein flexibel steuerbares Erzeugungssystem. Module und Wechselrichter erzeugen und wandeln den Strom – der Speicher entscheidet, wann er den Weg zum Markt findet.

Eng verbunden ist er mit dem Wechselrichter, der bei DC-gekoppelten Systemen die Batterie direkt steuert, und mit dem Energiemanagementsystem. Trafostation und Netzanschluss begrenzen die Größenordnung, in der Strom rückgespeist werden kann.


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